„Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“
(Epheser 4,5)
Offener Brief
des Altenberger Ökumenischen Gesprächskreises zu Pfingsten 2025
an die leitenden Personen der evangelischen, katholischen und orthodoxen Kirchen
in Deutschland für
Initiativen zum 1700-jährigen Jubiläum des Ökumenischen Glaubensbekenntnisses
von Nizäa-Konstantinopel (325/ 381)
Köln, am Sonntag Exaudi
1. Juni 2025
Sehr geehrter Herr Metropolit Augoustinos,
sehr geehrter Herr Bischof Bätzing,
sehr geehrte Frau Bischöfin Fehrs,
liebe Geschwister in Christus!
In diesem Jahr 2025 feiern die orthodoxen, katholischen und reformatorischen Kirchen das 1700-jährige Jubiläum des ersten, ältesten und einzigen gemeinsamen Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel aus den Jahren 325 und 381, kurz: des Nizänums. Es ist, wie J. N. D. Kelly schon 1972 geschrieben hat, „einer der wenigen Fäden, mit denen die zerrissenen Fetzen des geteilten Rocks der Christenheit noch zusammengehalten werden“ (1). Erfreulicherweise liegen inzwischen 3 Auslegungen des Bekenntnisinhalts aus unserer Zeit vor (2). Daher ist dieses Jubiläumsjahr 2025 eine einmalige Gelegenheit, dass unsere Kirchen in Deutschland sich dieses ökumenische Bekenntnis erneut wieder zu eigen machen und dieser ihrer Verbundenheit im gemeinsamen Apostolischen Glauben sichtbaren Ausdruck verleihen.
Auf dieser Grundlage bitten wir Mitglieder des Altenberger Ökumenischen Gesprächskreises Sie und weitere leitende Personen unserer Kirchen um folgende 3 Initiativen:
- Verbindlicher gemeinsamer Wortlaut
Die Kirchen sprechen sich dafür aus, zum ursprünglichen Wortlaut des Bekenntnisses – ohne die westkirchlichen Veränderungen – zurückzukehren, damit es seine Ost und West verbindende Kraft entfalten kann. Sie legen einen verbindlichen gemeinsamen deutschen Text vor, wie es seit langem im englischsprachigen Bereich der Fall ist und ihn die Bundes-ACK bereits vorgeschlagen hat. - Verwendung an Feiertagen, in Abendmahlsgottesdiensten und Eucharistiefeiern
Das nizänische Bekenntnis hat seinen angemessenen Ort in der Liturgie. Daher empfehlen die Kirchen, wie bisher es regelmäßig an hohen kirchlichen Feiertagen und nach Möglichkeit auch in Abendmahlsgottesdiensten und Eucharistiefeiern zu verwenden, um den gemeinsamen Lobpreis des dreieinigen Gottes in der weltweiten christlichen Gemeinschaft hörbar werden zu lassen. - Eine Liedfassung für die Gemeinden
Im Unterschied zum Apostolikum mit seiner Herkunft aus der Katechese haben wir es beim Nizänum mit einem doxologischen, den dreieinigen Gott lobpreisenden Bekenntnis zu tun. Daher entspricht ihm am ehesten eine gesungene Fassung, wie es in orthodoxen Kirchen in griechischer und in der katholischen Kirche in lateinischer Sprache üblich ist. Da jedoch unsere deutschsprachigen Kirchen bis heute keine gemeinsame Liedfassung des Bekenntnisses für ihre Gemeinde-Gottesdienste besitzen, rufen sie einen Wettbewerb für eine alte oder neue Melodie des Bekenntnisses aus. –
Zu Pfingsten erinnern die Kirchen an ihren Geburtstag in Jerusalem. Daher schreiben wir Ihnen diesen Offenen Brief in der Woche vor Pfingsten. Ein geeigneter Zeitpunkt für die Erinnerung an das Nizänum ist auch der Trinitatis-Sonntag eine Woche später, das Fest des dreieinigen Gottes. Schließlich kommt auch der 19. Juni, der wahrscheinliche Tag der Verabschiedung des Bekenntnisses im Jahr 325, der in diesem Jahr mit dem Fronleichnamsfest zusammenfällt, für eine gemeinsame Initiative unserer Kirchen in Frage.
Sollten sich alle 3 Daten wegen der zeitlichen Nähe als nicht durchführbar erweisen, schlagen wir den kommenden 1. Advent, den 30. November 2025, den Beginn des neuen Kirchenjahres, für eine gemeinsame Initiative unserer Kirchen zugunsten des Ökumenischen Bekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel vor. Denn wir sind der festen Überzeugung, dass unsere Kirchen das 1700-jährige Jubiläum des Nizänums nicht ungenutzt verstreichen lassen dürfen, um sich nicht erneut an ihrer ökumenischen Berufung und Glaubwürdigkeit zu versündigen. Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) benennt als Hauptziel der Gemeinschaft der Kirchen, „einander zur sichtbaren Einheit in dem einen Glauben und der einen eucharistischen Gemeinschaft aufzurufen“ (3).
In diesem Sinne erwarten wir von Ihnen und unseren Kirchen in diesem Jahr sichtbare Schritte zueinander und grüßen Sie im Namen des Altenberger Ökumenischen Gesprächskreises in ökumenischer Verbundenheit.
Ihre
Dr. Hans-Georg Link, Pfarrer em. in Köln
Dr. Manfred Richter, Pfarrer em. in Berlin
Dr. Josef Wohlmuth, Professor em. in Bonn
Anmerkungen:
- Altchristliche Glaubensbekenntnisse. Geschichte und Theologie, Göttingen 1972, S. 294.
- Gemeinsam den einen Glauben bekennen. Eine ökumenische Auslegung des apostolischen Glaubens, wie er im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (381) bekannt wird, Studiendokument der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung, Frankfurt/Main-Paderborn 1991, 146 S.; Wir glauben – Wir bekennen – Wir erwarten. Eine Einführung in das Gespräch über das Ökumenische Glaubensbekenntnis von 381, Deutscher Ökumenischer Studienausschuss (DÖSTA), Hg. W. Bienert, Eichstätt 1997, 104 S.; Attraktive Fremdheit Gottes. Das Ökumenische Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (325-2025). Ausgelegt von Mitgliedern des Altenberger Ökumenischen Gesprächskreises, Hg. H.-G. Link/J. Wohlmuth, Leipzig/Paderborn 2024, 287 S.
3. Verfassung des ÖRK, III. Ziele und Funktionen, in: Busan 2013. Offizieller Bericht der Zehnten Vollversammlung des ÖRK, Hg. H.-G. Link u. a., Leipzig/Paderborn 2014, S. 577.